Kategorie:14.02.2006
Aus FUSSCENTER
Neue Wege in der Fußchirurgie - Leserbrief eines Mediziners
Zum Titelthema "Neue Wege in der Fußchirurgie" von Prim. Universitätsdozent Dr. Ernst Orthner im Bay. Ärzteblatt, in Heft 12/2005, Seite 816 ff. antwortet Dr. Kinast.
14.02.2006, München - Mit großer Freude habe ich die Wahl des Titelthemas „Neue Wege in der Fußchirurgie“ zur Kenntnis genommen.
13 Jahre nach der ersten Veranstaltung des seitdem jährlich im Dezember durchgeführten Fußchirurgiesymposiums der Gesellschaft für Fußchirurgie in München berichtet Prim. Universitätsdozent Dr. Ernst Orthner, Leiter der Unfallabteilung des Klinikums Wels/Österreich, über neue Techniken in der Chirurgie des Fußes und Sprunggelenkes unter Anwendung winkelstabiler Implantate und Endoprothesen.
Seiner Forderung nach einem eigenen Spezialgebiet der Fußchirurgie in Analogie zur Handchirurgie, möchte ich mich als Mitglied der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk e. V. (http://www.daf-online.de/) anschließen und bitte dieses Anliegen den entsprechenden Gremien in Deutschland weiterzuleiten. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit unter anderem des diabetischen Fußsyndroms würde hiervon sicher profitieren und durch Anhebung der Qualität zur Kosteneinsparung der kostenintensiven Versorgung der Diabetiker mit Fußproblemen führen.
Bedingt durch die wirtschaftliche Misere der belegärztlichen und ambulanten Versorgung in Bayern und im übrigen Deutschland baut sich eine rasch wachsende Zahl von gesetzlich versicherten Patienten auf, die auf eine qualifizierte fußchirurgische operative Versorgung warten.
Darf ich Sie nun bitten, bei den gesetzlichen Krankenkassen anzufragen, ob wir die niedergelassenen Orthopäden und Unfallchirurgen in Deutschland unsere wartenden Patienten nach Wels empfehlen dürfen? Aus meiner bisherigen Erfahrung werden Operationen von Versicherten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im angrenzenden Ausland zügig von den deutschen Krankenkassen bewilligt und die im Ausland üblichen Honorare bezahlt. Ich habe auch schon Anrufe von deutschen Krankenversicherungen erhalten, mit der Frage, ob wir denn auch diese neue Sprunggelenksprothesen einsetzen. Da wir diese OSG-Prothesen seit 1998 mit gutem Erfolg einsetzen, konnte ich diese Frage mit ja beantworten, bin mir aber nicht sicher, ob einer dieser Patienten, die sich im Ausland operieren lassen wollten, bei uns oder anderen deutschen Institutionen angekommen sind.
Bitte geben Sie uns umgehend Nachricht am besten auch durch eine entsprechende Mitteilung in den Publikums- und Fachmedien, ob wir unsere wartenden Patienten nach Österreich schicken sollen. Erfahrungsgemäß macht die Kostenerstattung durch die deutsche GKV im Ausland keine Probleme.
Am Rande sei mir erlaubt, hinzuweisen, dass anlässlich des 11. Kongresses der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk in Augsburg im April 2005 (Kongresspräsident Professor Dr. Johannes Hamel, München, Dr. Manfred Thomas, Augsburg) auf die Probleme der Finanzierung aufwändiger fußchirurgischer Operationen im ambulanten und stationären Bereich hingewiesen wurde (Dr. Peter Heppt, Erlangen, Dr. Daniel Frank, Leverkusen, beide Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie). Die Kliniken neigen zur Begrenzung der Ausgaben für relativ teure innovative Implantate (ca. 400 Euro und mehr) bei einem Fallwert für den Fuß von 2600/1800 Euro. Die Honorare für den ambulanten und belegärztlichen Operateur liegen heute bei ca. 100 bis 120 Euro belegärztlich/ambulant und 180 bis 200 Euro für komplexe belegärztliche Operationen. Die Durchführung von Operationen im Ausland hätte zudem den Vorteil, dass das strapazierte Budget der Kassenärztlichen Vereinigung entlastet werden würde und nicht operativ tätige Ärzte wieder einen etwas besseren Punktwert erhielten. Deutsche Operateure hätten dann auch wieder Zeit, Geld in der Sprechstunde durch die Erbringung individueller Gesundheitsleistungen zu verdienen.
Leserbrief von Dr. Kinast, Facharzt für Orthopädie, an Redaktion Bayerisches Ärzteblatt, Mühlbaurstr. 16, 81677 München Bayerisches Ärzteblatt, 02/2006
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